Jahresrückblick

Jahresrückblick 2020

Eines ist sicher, das vergangene Jahr wird uns deutlicher als viele andere Jahre in der Erinnerung bleiben. Fast stellt sich die Frage, ob wir uns überhaupt so genau daran erinnern möchten. Und doch gibt es auch viele schöne Momente, die wir nicht einfach vergessen möchten.
Das Weinjahr 2020: Wie schon in den Vorjahren erfolgte der Austrieb unserer Rieslingreben früher als im langjährigen Durchschnitt. Da immer mit Spätfrösten bis Mitte Mai zu rechnen ist und die jungen Triebe keinen Frost vertragen, sehen wir als Winzer diese Entwicklung stets mit Sorge. So wurden auch im Mai 2020 unsere Reben in einigen Parzellen durch Frost geschädigt. Unsere besten Lagen waren aber zum Glück nicht betroffen.
Der frühe Austrieb bringt natürlich auch positive Aspekte durch die längere Vegetationszeit. Die Trauben haben einfach mehr Zeit zur Reife, schlechte Jahrgänge mit unreifen Trauben bleiben uns erspart. Die Kehrseite der Medaille zeigte sich allerdings auch in 2020 – wie überall auf der Welt häuften sich die extremen Wetterereignisse mit Starkregen, Hagel, Hitze und Trockenheit.
Im Jahresverlauf war oft erst kurzfristig klar, welche unserer Saisonarbeiter nun einreisen durften und unter welchen Bedingungen. Neben der Weinlese werden besonders in der Zeit von Mai bis August viele Saisonarbeitskräfte für die Laubarbeit benötigt. Leider mussten unsere langjährigen polnischen Mitarbeiterinnen wegen hoher Infektionszahlen in ihrer Heimat absagen. Die Einarbeitung eines zum größten Teil neuen Teams stellte für unsere festen Mitarbeiter eine besondere Herausforderung dar. Besonders die Arbeiten auf den Terrassen mit Einzelpfahlerziehung erfordern einiges an Sachkenntnis. Diese Arbeit über diverse Sprachbarrieren hinweg zu erklären, war nicht einfach. Hier ein besonderer Dank an das ganze Weinbergs-Team!
Zum Glück durfte auch zum Erntebeginn die benötigte Anzahl an Lesekräften einreisen. Schon Mitte September starteten wir mit der ersten Vorlese, bei der zunächst problematische, durch Sonnenbrand, Schwarz- oder Graufäule geschädigte Trauben sorgfältig ausselektiert wurden. Diese Vorarbeit ermöglichte uns eine schnellere Hauptlese, sobald der richtige Reifezeitpunkt erreicht war. Schnell mussten wir auch sein, denn die feuchtwarme Witterung lies die Trauben extrem schnell reifen. Bis Ende Oktober hatten wir es dann geschafft, alle Trauben waren geerntet, und unsere Fässer waren mit tollen Qualitäten gefüllt. Die 2020er Weine liegen natürlich noch alle in ihren Fässern, zum größten Teil ist die Gärung noch im Gange. Natürlich ist für uns auch in diesem Jahr Zeit ein wichtiger Schlüssel zur Qualität.
Kurz vor Erntebeginn, Anfang September, wurde unser 2019er Jahrgang gefüllt, und bald folgten erste Verkostungs-ergebnisse. Wir freuen uns sehr über durchweg hervorragende Bewertungen unserer Rieslinge. Angefangen vom Gutswein über die Großen Gewächse bis hin zu unserer edelsüßen Kollektion mit der Trockenbeerenauslese als Spitze waren sie wieder ganz vorne in den Bewertungen der deutschen Top-Rieslinge zu finden. Eine kleine Übersicht über die Verkostungsergebnisse ist hier zu sehen. Dies, und die positiven Rückmeldungen unserer Kunden, sind für uns die schönste Bestätigung unserer Arbeit.

Und was gab es sonst noch so im Weingut?
Schon gleich zum Anfang begann das Jahr mit einer großen Veränderung - Petra Kessler, die uns in den vergangenen Jahren tatkräftig bei Verkauf und Vermarktung unterstützte, musste sich kurzfristig wieder intensiver ihrem eigenen Familienbetrieb, Carl Kessler Kellereibedarf in Zell, widmen. Wir danken ihr für ihren tollen Einsatz in unserem Weingut! Die hinterlassene Lücke zu schließen war natürlich nicht ganz einfach. Umso glücklicher sind wir, mit Lukas Langenfeld einen sehr engagierten Mitarbeiter gefunden zu haben, der sich als Quereinsteiger mit großer Liebe zum Wein sehr schnell bei uns eingearbeitet hat.
Sorgen bereitete uns schon bald die Pandemie, die unsere Gesellschaft noch immer voll im Griff hält. Besonders in den ersten Wochen nutzten wir die Zeit, mit Freunden und Kollegen zu telefonieren. Erfahrungen und Gedanken wurden bei einem guten Gläschen Wein ausgetauscht. Es war eine wunderbare Gelegenheit zu erfahren, wie viele wesensverwandte Menschen wir inzwischen in der Weinwelt kennenlernen durften.
Bald erreichten uns erste Anfragen von Gastronomen oder Sommeliers, deren Restaurants nicht geöffnet werden konnten. Sie wollten die Zeit sinnvoll nutzen und ihr Fachwissen durch aktive Mithilfe im Weinberg erweitern. Herzlichen Dank an dieser Stelle für das tolle Engagement!
Onlinetasting – vor einem Jahr gab es so etwas noch kaum. Plötzlich wurden von allen Seiten solche Verkostungen angeboten, mit dem Winzer als Moderator per Videokonferenz. Äußerten sich manche, meist jüngere Kollegen, ganz euphorisch über diese neue Vermarktungsform, so war Clemens nicht so recht davon zu begeistern. So blieb es bei einigen wenigen Verkostungen, obwohl die Resonanz sehr gut war.
Nachdem die ersten Kontaktbeschränkungen wieder gelockert wurden, entwickelte sich die Mosel zu einem bevorzugten Urlaubsziel der Menschen. Für uns bedeutete dies eine große Anzahl von Verkostungen (natürlich unter Einhaltung der vorgegebenen Hygienemaßnahmen) in unserem alten Gutshaus. Wir hoffen, dass vielen unserer Gäste die Schönheit und Vielfältigkeit der Moselregion und natürlich auch unser Riesling, positiv in Erinnerung geblieben sind.
Im Verlauf des Jahres sollte sich dann zeigen, dass nahezu alle Präsentationen und Messen abgesagt werden mussten. Clemens, der normalerweise besonders im ersten Halbjahr ständig irgendwo im In- und Ausland zu Präsentationen und Verkostungen unterwegs war, „musste“ plötzlich zu Hause bleiben. Arbeit gibt es natürlich immer in einem Weingut. In den ersten Wochen wurde die Zeit genutzt, endlich die geplante Aufräumaktion des Raritätenlagers in die Tat umzusetzen. Johannes, der den Außenbetrieb leitet, konnte bei der Einarbeitung der neuen Saisonkräfte Unterstützung gut gebrauchen. Auch blieb mehr Gelegenheit zum Austausch und zur Planung zwischen Johannes und Clemens. Und derzeit darf sich Clemens auch wieder einmal seiner Lieblingsbeschäftigung, dem Rebschnitt, widmen.
Im vergangenen Jahr berichteten wir über unser Projekt mit der Steillagenbeweidung.
Auch in diesem Jahr bearbeiteten unsere vierbeinigen Helfer wieder den Steilhang über unserer Parzelle Rothenpfad. Die kleine Herde von derzeit 7 Ziegen fühlte sich in dem unwegsamen Gelände sichtlich wohl. Im steilsten Bereich hatten sie sich Kuhlen in die Erde getreten und somit Liegeplätze geschaffen, in denen sie nach getaner Arbeit die Sonne bei schönster Aussicht genießen konnten. Bei Regen wurde natürlich der trockene und windgeschützte Unterstand bevorzugt. Nach nun 2 Jahren der Beweidung hat sich der Bewuchs in der Brache schon deutlich verändert. Nur teilweise finden sich noch Dornenhecken und größere Büsche. Diese werden gerne von den heimischen Vögeln zum Nisten genutzt. Größere Bereiche werden inzwischen von verschiedensten Kräutern wie wildem Majoran, Johanniskraut, Labkraut, wilder Möhre und Natternkopf besiedelt. Unmengen an wilden Bienen, Hummeln und verschiedenen Faltern sind hier im Sommer zu beobachten, und natürlich kommt der besonnte Boden auch den Eidechsen und Nattern zugute. Derzeit befinden sich unsere Ziegen im Wintergehege, die Sommerweide darf sich erholen. Erst Anfang Mai ist der nächste Arbeitseinsatz im Steilhang geplant.
Große Fortschritte macht auch das Weingut unseres Sohnes Florian, der in Montpeyroux (Nähe Montpellier) mit der Domaine FloBusch sein eigenes Weingut gegründet hat. War schon der erste Jahrgang 2018 sehr gut gelungen, so erwarten wir vom 19er noch eine Steigerung. Kostproben sind in unserem Webshop
zu finden.
Zum Ende des Jahres sind wir froh und dankbar, dass wir trotz der Einschränkungen recht gut arbeiten konnten. Viele unserer Freunde und Kunden hatten nicht dieses Glück. Inzwischen wissen wir, dass wir uns auf weitere Wochen im Ausnahmezustand einstellen müssen. Bleibt die Hoffnung, dass die Impfungen den gewünschten Erfolg bringen und Treffen mit Familie und Freunden bald wieder möglich sein werden!

Schon jetzt freuen wir uns darauf, Euch möglichst bald wieder zu sehen!

Herzliche Grüße,
Rita, Clemens und Johannes Busch und das Team vom Weingut << zurück